2. Medizinisch-Methodische Analyse (MA)
Die Entwicklung des Körpers aus den drei primären Keimblättern – Ektoderm, Mesoderm und Endoderm – ist durch nachweisbare Zusammenhänge einzelner Körperbestandteile charakterisiert. Im Laufe der Evolution entwickelten sich durch eine fortschreitende Differenzierung und Bedarfsweckung Ur-Morphogenesen (31). Diese Ursomiten sowie deren schrittweise Entwicklung lassen sich beispielsweise an einem Embryo beobachten. Die einzelnen Bestandteile bilden, durch ergänzende Einzelfunktionen ihrer jeweiligen Strukturen und Organe, die Funktionseinheit des gesamten Körpers. Physische Korrelate dieser entwicklungsbedingten Zusammenhänge sind die verschiedenen Segmente mit der Unterteilung in:
Dermatom
Myotom
Enterotom
Sklerotom
Um die Gesamt- und Einzelfunktion aufrechtzuerhalten, werden Informationen im Gewebe (parakrin) sowie über das neuronale System (Rezeptoren, Afferenzen, Efferenzen) weitergeleitet und verarbeitet. Dieser stetige Informationsfluss dient dem Abgleich zwischen „Ist“ und „Soll“ und ermöglicht die Anpassung des Körpers an alle möglichen Veränderungen – was nur innerhalb eines physiologischen Rahmens geschehen kann. Obwohl a-physiologische oder pathologisch wirkende Noxen größtenteils kompensatorisch reguliert werden können, dürfen die Grenzen des biologisch Möglichen nicht langfristig überschritten werden.
Sollten diese Grenzwerte dennoch verletzt werden, wirken jene Wege, welche normalerweise der Harmonisierung und Ökonomisierung der Gesamtfunktion dienen, störend – sprich, sie entfalten einen negativ wirkenden Einfluss. Dies kann zu vielfältigen pathologischen Symptomen führen.
Verlässt die Störung die lokale Ebene (ein lokales Problem) und involviert ein neuronales System, können an jedem Ort, wo segmentale Zusammenhänge bestehen, funktionelle Störungen und im Verlauf auch strukturelle Veränderungen auftreten. Durch das Additions- oder Kumulationsprinzip können sich diese Störungen in allen segmental und multisegmental verbundenen Körperbereichen ausbreiten und bilden eine sogenannte Ereigniskette. Solche Veränderungen in der Ereigniskette können als sekundäre Hyperalgesie physisch nachgewiesen werden.
Als zuverlässiges diagnostisches Medium hat sich die Haut erwiesen. Die oberste Hautschicht entwickelt sich aus dem ektodermalen Keimblatt und reagiert bei neurologischen Veränderungen stets unmittelbar.
Im klinischen Alltag tritt oft das Phänomen der Überlagerung auf. Meist ist jedoch nur das aktuell dominante Symptom bewusst. Dies führt häufig zu einer Behandlung der aktuellen, bewussten Folgeerscheinungen dieser Ereigniskette. Ein allgemein bekanntes Phänomen in der Therapie ist, dass die erfolgreiche Behebung eines Symptoms zur Auflösung der Überlagerung führt und stattdessen ein anderes Symptom (an einem anderen Körperort) manifestiert oder es kommt innerhalb einer undefinierbaren Zeitspanne zu einem Rezidiv.
Diese Muster treten auf, solange eine primär verursachende Störung fortbesteht und damit die finale Heilung/Regulierung verhindert wird. Über diese Ausbreitungswege können sich unterschiedliche Körperbereiche an der Veränderung beteiligen. Im Extremfall kann bei hoher emotionaler Beteiligung eine sogenannte Fibromyalgie (ein psycho-soziales Syndrom mit physischen Symptomen) entstehen.
Die Medizinisch-Methodische Analyse ermöglicht es durch eine detaillierte Anamnese (auch bis in die Kindheit) und eine physische Untersuchung, störende Teilbereiche zu analysieren. Im zweiten Schritt werden dann die zugrunde liegenden neurologischen Zusammenhänge festgestellt. Das Ergebnis dient im dritten Schritt der Ermittlung der primären Störung (dem kausalen Ursprung) mittels eines Testverfahrens (mit Re-Test).
Diese primäre Veränderung bildet den kausalen Ansatzpunkt für weitere therapeutische Maßnahmen. Dabei können funktionelle Störungen oder Pathologien des Bewegungsapparates, verschiede
ner Organe, des craniomandibulären Bereichs sowie des psychischen/emotionalen Systems festgestellt werden. Aus diesem Grund ist zwingend die enge Zusammenarbeit mit Internisten, HNO-Ärzten, Orthopäden, Zahnärzten und Psychologen zu gewährleisten.
In geschulten Gruppen wurde in vergleichenden Testreihen eine Übereinstimmung bei der Analyse der verursachenden Struktur von durchschnittlich 94 % festgestellt. Somit stellt die Methodische Analyse eine hoch valide und zuverlässige Untersuchungsmethode dar.
Zielsetzung dieser Kurseinheit:
Durch ein methodisches Ausschlussverfahren wird ein potenzieller Zusammenhang zwischen anamnestisch und palpatorisch festgestellten Störungen hergestellt, um damit die ursächliche primäre Pathologie zu ermitteln. Im Anschluss können weiterführende fall- und strukturbezogene Behandlungsschritte entwickelt und durchgeführt werden. Falls es sich ausschließlich um eine Veränderung im Sinne einer lokalen Störung ohne segmentale oder multisegmentale Verschaltung handelt, wird dies ebenfalls ermittelt und entsprechend ist eine geeignete Therapie einzuleiten oder durchzuführen.
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